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Donnerstag, 09. September 2010 

Ostsee-Tour

Die DASSU hatte für den Zeitraum vom 15. bis 20. Juli eine geführte Ostsee-Tour ausgeschrieben. Eine Zwischenlandung war in Berlin-Tempelhof vorgesehen, ein Ziel in Dänemark je nach Wetterlage nicht ausgeschlossen. Ansonsten waren wir Teilnehmer in unseren Planungen frei. Am Ende waren wir auf Grund kurzfristiger Absagen nur noch drei Personen und so brachen wir am 15. Juli wir mit einem Motorsegler (D-KYHN) und dem neuen Ultraleichtflugzeug Eurostar EV97 (D-MYUW) auf.

Mit dieser Beschreibung und einigen Bildern wollen wir allen Interessierten einen Eindruck von dieser herrlichen Tour vermitteln. Geographisch Interessierte können die Tour auf der Karte nachverfolgen. Die Flieger können sich unter dem Link www.airports.de anhand der angegebenen ICAO-Kennungen die fliegerischen Details ansehen, auf die ich hier nicht weiter eingehen will.

Als erstes Tagesziel hatten wir uns für diesen sonnigen Sonntag-Nachmittag Schönhagen (ICAO-Kennung EDAZ) im Südwesten Berlins vorgenommen. Mit direktem Kurs zur westlichen Spitze Tschechiens unterflogen wir den Münchener Luftraum, passierten Regensburg und landeten zum Tanken in Auerbach im Vogtland (EDOA). Nach einer guten Stunde Aufenthalt ging es weiter; wir passierten mit Torgau jene Elbe-Stadt, in der sich Ende des 2. Weltkriegs die amerikanischen und russischen Truppen erstmals begegneten, und kurz nach 18 Uhr landeten wir in Schönhagen, einem in letzter Zeit exzellent mit moderner Infrastruktur ausgebauten Flugplatz. Abends saßen wir in der ersten Etage des Flughafenrestaurants mit einem herrlichen Ausblick auf die typisch märkischen Kiefern auf der anderen Seite jenseits der Landebahn.
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Das modern eingerichtete Flughafenhotel lag nicht weit und so konnten wir am Ende in fliegerischer wie organisatorischer Hinsicht auf einen erfolgreichen ersten Tag zurückblicken.

Der zweite Tag begann mit einem Höhepunkt: Berlin-Tempelhof (EDDI), der derzeit älteste noch betriebene Flughafen der Welt soll Oktober nächsten Jahres geschlossen werden. Die Flughafen-Architektur der Dreißiger Jahre wird dann der Vergangenheit angehören (Tempelhof bei Wikipedia ). Ich bin dort früher schon als Passagier angekommen und abgeflogen. Die Atmosphäre hat mich jedes Mal beeindruckt. Wir wollten ihn deshalb anfliegen. Bei unserem vorsorglichen Anruf bei der Luftaufsicht wurde uns mitgeteilt, dass unserem Vorhaben nichts entgegen steht und so näherten wir uns dem Flugplatz über die "Whiskey"-Route. Was für ein Zufall, dass der Tower uns in diesem Moment darauf hinwies "Achten Sie auf die entgegen kommende DC3"! Nach 25 Minuten Flugzeit waren wir gelandet und ein Follow-Me holte uns von der Landebahn ab und wies uns jeweils einen Stellplatz zu.
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Nach einem kurzen Ausflug zum Luftbrückendenkmal
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bezahlten wir jeweils 61,88 Euro Lande- und Handling-Gebühren und flogen über die "Echo"-Route nach Anklam (EDCA) weiter, dem Geburtsort Otto Lilienthals. Dabei genossen wir die herrliche Landschaft der Mecklenburgischen Seenplatte. In Anklam wurde wieder getankt, nicht nur die Flugzeuge, sondern in der Hitze von über 35 Grad hatten auch wir Menschen es dringend nötig. Dabei begegneten wir einem Piloten der Bundespolizei, der uns stolz seinen dort stationierten Eurocopter-Hubschrauber EC135 zeigte.
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Wir wollten an diesem Tag noch eine weitere Etappe fliegen: ca. 10 km von Anklam entfernt beginnt die Insel Usedom und die polnischen Grenze ist nah. Wegen der Vogelvorkommen stiegen wir rasch auf 2.500 Fuß und genossen die wunderschöne Landschaft. Vorbei an Heringsdorf und Peenemünde,
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von dort der Sprung zur Insel Rügen mit Sassnitz, den berühmten Kreidefelsen und der höchsten Erhebung, dem Königsstuhl. Überall sahen wir volle Strände. Wegen der allgemeinen Wettervorhersage sahen wir von einem Abstecher nach Dänemark ab. So überflogen wir mit dem Kap Arkona, dem Nordkap Deutschlands mit der Gemeinde Putgarten, auch den nördlichsten Punkt unserer Reise. Von dort ging es weiter über Hiddensee, vorbei an Zingst, über Stralsund auf Südkurs direkt zum Tagesziel nach Rechlin (EDAX) am südlichen Ufer des Müritzsees. Der Flugplatz ist bemerkenswert: Ein alter, unveränderter Militärflugplatz der sowjetischen Luftwaffe, die Schutzbauten noch deutlich zu sehen, sonst nichts. In 30 m Höhe über der Landebahn denke ich "Hier bin ich falsch" und gebe Vollgas zum Durchstarten, bis ich am Ende der Landebahn in 2,5 km Entfernung ein paar aufeinander gestellte Baucontainer sehe, der oberste davon verglast. Das ist der Turm. Also schnell wieder den Motor auf Leerlauf und gelandet. Um so interessanter war zu hören, dass auf diesem Platz die Lufthansa alljährlich im April das Training ihrer Ju52-Piloten (D-AQUI) durchführt. Darüber hinaus wird das in den Gebäuden der früheren Erprobungsstelle der deutschen Luftwaffe im Aufbau befindliche Luftfahrttechnische Museum in der Zukunft sicherlich noch viele Interessierte anlocken. Allerdings haben wir bei der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit gemerkt, dass wir uns in einer bevorzugten Feriengegend befinden. Diese Gegend kann nicht nur als Zwischenstopp einer Rundreise, sondern auch für einen längeren Aufenthalt empfohlen werden. Der hilfsbereite Flugleiter hat für uns dann auch noch sehr kurzfristig drei Betten organisiert.

Am dritten Tag haben wir zu spüren bekommen, wie schwierig das Feld der Meteorologie ist. Zumindest örtlich war schlechtes Wetter vorhergesagt worden, aber es sollte nochmals optimales Flugwetter herrschen. So starteten wir morgens und flogen über den Harz und das Kyffhäuser-Gebirge zum Tanken nach Eisenach (EDGE). Bevor wir nach dem Start wieder auf Südost-Kurs gingen, schauten wir uns aus der Luft und in gebührendem Abstand eine der geschichtsträchtigsten Burgen Deutschlands an, die Wartburg.
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Das Tagesziel war die Fränkische Fliegerschule Burg Feuerstein (EDQE). Untergekommen sind wir im Landgasthaus Zehner des Nachbarorts Drosendorf, wo wir im Kreis anderer Flieger das gute Essen und die örtliche Spezialität, das Keller-Bier, genossen.

Der letzte Tag begann mit Regenwetter. So hieß es warten, bis wir auf dem Wetterradar erkennen konnten, wann der letzte Schauer die Burg Feuerstein passiert hatte. Wir starteten erst nach 14 Uhr bei einer Wolkenuntergrenze von ca. 1.000 Fuß über Grund, die sich erwartungsgemäß schon nach wenigen Kilometern sehr schnell anhob. Wir flogen wieder Richtung Regensburg,
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um dort die Walhalla
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aus der Nähe zu betrachten und die schöne Landschaft entlang der Donau bis nach Vilshofen (EDMV) zu genießen, wo wir bereits wieder bei hochsommerlichen Temperaturen zum Eis essen landeten. Die letzte Etappe führte uns von Vilshofen nach Hause nach Unterwössen, wo wir gegen 18:30 Uhr und nach etwas mehr als 14 Stunden Gesamtflugdauer unsere Rundreise mit der Landung abschlossen.

Zurückblickend bot die Rundreise vielfältige interessante Eindrücke in unerwartetem Umfang sowohl in landschaftlicher und fliegerischer Hinsicht als auch durch die überflogenen Punkte mit ihren kulturellen und geschichtlichen Hintergründen: Vom Chiemsee zur Ostsee und zurück - Deutschland, wunderschönes Land!

Text und Bilder: Jürgen Röhr