Haed02-2
 Startseite
 Highlights
Head02-02
Head302

Donnerstag, 09. September 2010 

Mit dem Motorsegler nach Venedig

 

Schon längere Zeit verfolgte ich mit Interesse die MoSe-Ausflüge der DASSU : Portoroz, Balaton, Venedig... Beim Modellflugtag am 24.7.2005 höre ich doch wieder so ein Gespräch mit – man will nach Venedig fliegen! Gleich mische ich mich ein und melde mein Interesse an. Pauline, die heute anreist würde sich bestimmt auch riesig über solch einen Flug freuen.

 

Dienstag, am 26.7.2005 scheint das Wetter für den Folgetag zu passen. Inzwischen habe ich auch einen Flieger reserviert und Ali wird mich an dem Tag bei der Schulung vertreten. Leider wird es erst ziemlich spät, bevor wir uns mit Manfred Sauer, unserem „Reiseleiter“ an die Flugvorbereitung machen können, wir müssen beide den ganzen Tag schulen.

 

Manfred schlägt vor auf dem Hinflug über Padua zu fliegen, dann würden wir nämlich die berühmte Lagune entlang fliegen. Mir bzw. uns ist es völlig egal, kenne sowieso nur den Weg bis zu den Felbertauern. Also wird folgender Flugplan aufgegeben : Unterwössen – Kössen – Sankt Johann – Felbertauern – MALUG (kein Ort, nur Pflichtmeldepunkt an der Grenze Österreich / Italien ) – Lago San Croce – Conegliano – VIC (=Vicenca) VOR – Padua – Chioggia – Malamocco – Flugplatz Venedig San Nicolo (auf dem Lido). Die Strecke beträgt 358 km, Flugzeit 2:45h bei 140 km/h. Der Rückflug soll von San Nicolo über Jesolo – Caorle - Porto Gruaro - Sesta al Rhegena – Mansue – Fontanelle nach Conegliano führen, von dort auf Gegenkurs wie beim Hinflug, Entfernung 322 km , Flugzeit 2:29h. In Venedig soll getankt werden und natürlich sind wir auch heiss auf eine Stadtbesichtigung.

 

Der Schlaf ist eher unruhig, man träumt von Lufträumen, FIS-Frequenzen und Transpondercodes.

 

Am Mittwoch, den 27.07.2005 weckt uns strahlender Sonnenschein, da kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Trotzdem vergeht einige Zeit mit Beratungen, dann aber sagen wir: „Ok, WIR fliegen !“ Es wird noch abgesprochen, dass Manfred den Funk für beide machen wird, sollten wir uns verlieren wollen wir uns jeweils zur halben Stunde auf der Unterwössener Frequenz kontaktieren. Schnell die Flugzeuge gecheckt und 9:08 hebt die D-KYNG endlich ab, kurz hinter uns die D-KYGL. Sonja übernimmt den Job des Navigators und Fotografen, das entlastet mich sehr (muss ja der KYGL auf den Hacken bleiben). Stefan eröffnet den Flugplan und nach Abflug in Richtung 24 sind wir auch schon in Kössen und damit ist auch schon die Meldung bei WIEN Information fällig. Hier gibt’s das erste kleine Problem, denn der Funk der KYGL scheint eine kleine Macke zu haben. Das ist aber bald behoben, sie haben das Mikro statt der Headsets genommen.

 

Über Sankt Johann und Kitzbühl geht der Flug zur Felbertauernstrasse, dort solls dann über die Alpen gehen. Immer kräftig im Steigflug, denn an den Felbertauern möchten wir schon 10.000 ft Höhe haben ! Es zeigt sich, dass unsere Flieger zwar recht gut steigen, doch mit der    Reisegeschwindigkeit ist es eher bescheiden (beide haben nämlich eine Schleppluftschraube). Auch gut, vergessen wir also die Drehzahlempfehlungen für den Falken und fliegen immer reichlich mit 5000/min. Das Wetter ist prächtig, die wenigen Cu liegen noch in den Tälern. am Großvenediger (Custom)Bald rückt auch der Alpenhauptkamm näher, Grossvenediger und Grossglockner markieren unseren Weg, ein erhebender Anblick. Nach ca. 50 Minuten sind wir an den Felbertauern, die Höhe werden wir jetzt bis nach Italien beibehalten. am Hauptkamm (Custom)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit terrestrischer Navigation ist es jetzt nahezu vorbei, der Alpenhauptkamm ist eine Reihung von ziemlich unwirtlichen Felsgebilden, für uns sehen sie auch alle irgendwie gleich aus. Ab und zu sieht man auch menschliche Ansiedlungen, kann aber kaum sagen was das ist. Aber unser GPS zeigt, dass wir auf dem richtigen Kurs sind, ein beruhigendes Gefühl !

 Venediger (Custom)

20 Minuten später erreichen wir den Pflichtmeldpunkt MALUG, Wien Info übergibt uns an Padua Information auf 124,15. Der (englische) Funk ist prima zu verstehen und wir müssen auch etwas schmunzeln : „DKYGL and DKYNG VFR from Unterwössen Germany to Venezia“ – „Whats your departure aerodrome code?“ - „Unterwössen is a glider port, has no code“ – „Please spell“ – „Uniform November Tango Echo ...“. Das Spielchen wiederholt sich einige Male – hätten wir doch einfach Mühldorf oder so etwas als Startflugplatz angegeben ! Kaum aus den Bergen etwas heraus (Nähe Belluno) gibt’s aber ein echtes Problem : Padua Info weist uns darauf hin : Restricted Area von 2000 AGL bis FL 390 ! Wir müssen unsere schöne Höhe schleunigst abbauen. Also Leerlauf und mit knappen 200 km/h ins Tal ! Die Ohren werden uns noch nach der Landung in Venedig schmerzen.

 

Nun geht’s es also in moderater Höhe in den Tälern der Piave entlang. Lago San Croce ist  ein weiterer Meldepunkt, hier fliegen wir in den (riesigen) Luftraum DELTA ein, werden also von den Controllern ständig genervt und an den nächsten weitergereicht (Treviso, Aviano, Venezia). Der See selbst ist sehr beeindruckend. Jetzt geht’s schnell und wir sind in der Ebene. Conegliano, ein weiterer Pflichtmeldepunkt wird passiert. Von hier ist Navigation ein Kinderspiel. Erst mal auf dem Radial 240 zum VIV VOR, nahe Vicenza. Vom VOR nach Süden über Padua (mässig toll aus der Luft) nach Chioggia, ein Städtchen an der Südspitze der Lagune von Venedig. Irgendwie wird es auch ziemlich warm, Manfred las 33° an seinem Aussenthermometer ab; auch die Sicht wird in der Ebene schlagartig mies, max. 10 km.
lagune ,Mallamocco (Custom)
padua (Custom)

 

 

 

 

 

 

 

 

Chioggia ist erreicht, die Spannung steigt, es sind jetzt nur noch knappe 15 Minuten Flugzeit bis San Nicolo. Sonja kennt sich jetzt bestens aus, hat sie doch kürzlich bei Commissario Brunetti von den Laguneninseln gelesen. Es geht genau über die schmale Nehrung Malamocco (links Lagune, rechts Badestrand ohne Ende) zum Lido, an dessem nördlichen Ende der Platz San Nicolo (LIPV), reichlich 1000 m Grasbahn liegt. Vor dem Eindrehen ins Endteil bietet sich noch ein grandioser Blick auf Venedig mit seinen Türmen und Kuppeln. Nach 2:24 h Flugzeit holpern wir über die Graspiste, geschafft ! Eigentlich war unsere erste Alpenüberquerung doch nicht soo problematisch !
Venedig (Custom)

Aeropuerto San Nicolo (Custom)Schnell unsere Flieger getankt, Manfred gibt inzwischen den Flugplan für den Rückflug auf und Abmarsch zur Besichtigungstour. Die Profis empfehlen Mittagessen auf dem Lido (ruhi ger und preiswerter), ein guter Tipp. So die richtige Ruhe haben wir nicht (unser „vierter“ Mann hat nur den Rückflug im Kopf!), die Fähre bringt uns in 15 Minuten direkt zum Markusplatz. Gegenüber dem eher beschaulichen Lido erschlägt uns hier fast der gewaltige Touristenauflauf. Egal, müssen wir durch und werfen uns mit in den Trubel. Vor der Basilica San Marco eine Riesenschlange von Besuchern, müssen also den Prachtbau von aussen bestaunen. Wie schon beim ersten Besuch in Venedig gerate ich wieder ins Grübeln, ob das nun Realität oder Film ist ! Wir bummeln durch die engen Gassen zur Ponte dell Academia mit einem herrlichen Ausblick auf den Canale Grande. Nun müssen aber unbedingt noch einen Capuccino haben – dass aber zum eigentlichen Preis noch je 5 € Musikzuschlag kommen soll, lässt uns dankend verzichten. Wenigstens geniessen wir ein Eis auf die Hand, die Italiener sind eben doch die besten Eiskonditoren ! Dann geht es wieder auf die Fähre und zurück zum Lido. Hier bekommen wir noch unseren Capuccino und das sogar ohne Musikzuschlag. canale (Custom)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

San Marco (Custom)
beim Essen (Custom)

san marco kirche (Custom)das Team,Sonja fotografiert (Custom)

 

 

 

 

 

 

 

 

mit der Fähre (Custom)

Am Flugplatz muss ich natürlich noch einen Stempel vom Aeroclub Venezia abfassen, man kommt ja nicht alle Tage hierher. Die Hitze ist unerträglich und so müssen wir per Blitzstart in die Luft, dort gibt es wenigstens Fahrtwind. Die unendlich vielen Eindrücke der letzten Stunden konnten wir natürlich noch nicht verarbeiten - na ja der Winter ist lang. Unser Kurs führt jetzt erst nach Osten, wieder über den Strandbädern entlang, Jesolo und Caorle hat man doch schon irgendwann gehört. Von Caorle aus geht’s nach Norden, also in Richtung Heimat. Die Hitze ist immer noch beachtlich, bei 1000 ft ist keine Abkühlung zu erwarten. Hinter dem Meldepunkt Mansue dürfen wir wenigstens auf 2000 ft, später auf 5000. Die Jungs in der KYGL haben offensichtlich das bessere Triebwerk, muss sie etwas um Mässigung bitten. Hinter Conegliano dürfen wir schon auf 8000 ft steigen, finde ich doch cool, hier ist ja immer noch eigentlich max.  2000 AGL erlaubt. Das Wetter ist jetzt geteilt, auf Sonjas Seite mehr Cu, auf meiner Seite schon eher Cb-verdächtig. Überfliegen beider Sorten nicht mehr möglich, doch Petrus ist Kumpel. Ohne grössere Kursabweichungen gibt es für uns immer eine Lücke.

 

Beim Überflug von MALUG, also Einflug in Österreich lässt die Spannung sichtlich nach, jetzt haben wir ja fast Heimspiel. Als wir aus den Felbertauern kommen sehen wir schon die „Heimat“, Wendelstein & Co. Hier siehts wirklich etwas gewittrig aus, aber mehr westlich vom Inntal. Jetzt die Höhe verbraten und von riesenlanges Endteil über Pass Thurn, Kitzbühel, Sankt Johann und Kössen angesetzt. Ist doch schön im Funk wieder den vertrauten Funk aus Unterwössen zu hören. Um 18:29 bzw. nach 2:04h noch eine ordentliche Landung, das wars! Wir sind überglücklich diesen Flug erlebt zu haben, auch die Kameraden sind sichtlich froh, dass alles glatt gegangen ist. Grossen Dank an Manfred Sauer, der ein sehr souveräner Reiseleiter war. Das erste Bier nach der Landung verzischt leider schon in der Speiseröhre und schmeckt unglaublich gut.

sonja (Custom)

Ein schnelles Abendessen beschliesst diesen wunderbaren, erlebnisreichen Tag. Dank an meinen lieben Navigator Sonja, Du hast mir viel Arbeit abgenommen !